Kontaktlose Zahlung mit dem Smartphone an einem Marktstand in einer europäischen Altstadt

E-Payment-Boom in Deutschland und Polen: PayPal & Co. im Aufwind

Mehr als 400 Millionen aktive Kundenkonten führt PayPal inzwischen weltweit. Eine Zahl, die man zweimal lesen muss, denn sie übertrifft die Einwohnerzahl der gesamten Europäischen Union. Der Dienst, der einmal als Bezahlknopf für Online-Auktionen begann, ist zur Infrastruktur geworden. Und an kaum einem Länderpaar lässt sich der Wandel des Bezahlens so gut beobachten wie an Deutschland und Polen.

Warum ich beim Thema Zahlungsverkehr erneut nach Osten schaue, liegt auf der Hand. Polens Aufholjagd habe ich hier anhand der Kennzahlen des Aufschwungs bereits nachgezeichnet, und beim Bezahlen wiederholt sich das Muster: Der vermeintliche Nachzügler ist vorn.

Deutschland: Bargeldland mit wachsender digitaler Schicht

Deutschland galt jahrzehntelang als das Bargeldland Europas. Der Wandel kam schleichend, mit der Kontaktlos-Funktion der Girocard, mit Smartphone-Wallets, mit der Pandemie als Beschleuniger. Heute gehört das Tippen der Karte oder Uhr ans Terminal auch beim Bäcker zum Alltag, und im Online-Handel hat sich die Reihenfolge ohnehin sortiert: Wer die gängigen Wallets nicht anbietet, verliert Kunden im Bezahlvorgang. Nur eine deutsche Eigenheit hält sich hartnäckig, der Kauf auf Rechnung, den sich hier niemand nehmen lassen will.

Die Rückkehr der E-Wallet in einen heiklen Markt

Wie ernst Zahlungsdienste Regulierung nehmen, zeigt ein Sonderfall: das Online-Glücksspiel. Wer heute seriöse PayPal Casinos sucht, findet sie ausschließlich bei Betreibern mit deutscher Lizenz. Mit dem Glücksspielstaatsvertrag von 2021 und der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) bekam Deutschland erstmals einen bundesweiten Rechtsrahmen samt zentraler Aufsicht. PayPal hatte sich aus dem Segment zurückgezogen und kehrte erst zurück, seit lizenzierte Anbieter nachweislich unter dieser Aufsicht stehen. Das anbieterübergreifende LUGAS-Einzahlungslimit von 1.000 Euro im Monat gilt dort unabhängig von der gewählten Zahlungsmethode. Aus Sicht des Zahlungsverkehrs ist das bemerkenswert: Die Zahlungsmethode ist zum Gütesiegel eines ganzen Marktes geworden.

Was Handel und Verbände messen

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel dokumentiert seit Jahren, wie sich der Interneteinkauf quer durch alle Altersklassen normalisiert hat, und in den Bezahldaten des Online-Handels liegen Wallets und Rechnungskauf vorn. Der Digitalverband Bitkom wiederum misst in seinen Umfragen einen stetig wachsenden Anteil von Menschen, die an der Ladenkasse mit Smartphone oder Smartwatch zahlen. Die Richtung ist in beiden Fällen dieselbe, nur das Tempo unterscheidet sich von Branche zu Branche.

Dass ein einzelnes Unternehmen dabei so viel Gewicht hat, ist historisch gewachsen. Von der Gründung 1998 über die Jahre im Konzernverbund von eBay bis zur erneuten Eigenständigkeit 2015 zeichnet die Wikipedia die Firmengeschichte von PayPal detailliert nach. Für Händler zählt am Ende ein simpler Effekt: Ein bekannter Bezahlknopf senkt die Abbruchquote im Warenkorb, und jeder abgebrochene Warenkorb ist verlorener Umsatz.

Echtzeit wird zur neuen Normalität

Parallel dazu verändert eine Brüsseler Entscheidung das Fundament: Die EU-Verordnung zu Instant Payments verpflichtet Banken im Euroraum, Echtzeitüberweisungen anzubieten, ohne Aufpreis gegenüber der klassischen Überweisung. Geld wandert damit in Sekunden von Konto zu Konto, an Feiertagen genauso wie nachts. Für Händler, Handwerker und Vermieter verschwindet das lästige Warten auf den Zahlungseingang, und für die Wallets entsteht ein Unterbau, auf dem sich neue Dienste errichten lassen.

Die Kehrseite verschweige ich nicht: Was in Sekunden beim Empfänger ist, lässt sich nicht mehr zurückrufen. Banken rüsten deshalb bei der Betrugserkennung auf und gleichen vor dem Absenden ab, ob Empfängername und Kontonummer zusammenpassen. Der Wettlauf zwischen Komfort und Kontrolle wird den Zahlungsverkehr der nächsten Jahre prägen, auf beiden Seiten der Grenze.

Polen zahlt mobil, und zwar flächendeckend

In Polen hat sich derweil mit BLIK ein eigenes System durchgesetzt, getragen von den großen Banken des Landes. Sechsstellige Einmalcodes aus der Banking-App, bestätigt in Sekunden, akzeptiert vom Online-Shop bis zum Marktstand. Kontaktloses Zahlen war in polnischen Städten schon Standard, als hierzulande noch Unterschriften auf Kassenbons geleistet wurden. Das Land hat die Scheckkarten-Ära schlicht übersprungen, ein Sprung, den Ökonomen von aufholenden Volkswirtschaften kennen: Wer spät startet, baut gleich die neueste Infrastruktur.

Interessant ist, dass PayPal in Polen deshalb eine andere Rolle spielt als in Deutschland. Im Inland dominiert BLIK, die E-Wallet punktet vor allem beim grenzüberschreitenden Einkauf, wenn polnische Kunden in deutschen oder britischen Shops bestellen. Für Händler auf beiden Seiten der Grenze heißt das ganz praktisch: Wer polnische Kundschaft will, braucht BLIK im Checkout, wer deutsche Kundschaft will, kommt an PayPal und dem Rechnungskauf nicht vorbei. Zwei Nachbarländer, zwei Wege, ein Ergebnis: Das Smartphone ersetzt das Portemonnaie.

Fazit

Der Zahlungsverkehr beider Länder bewegt sich auf dasselbe Ziel zu: mobil, sofort, reguliert. Polen zeigt das Tempo, Deutschland zeigt, wie ein sensibler Markt sauber eingehegt wird. Meine Einschätzung ist eindeutig: Das Bezahlen mit Wallet und Code wird die physische Karte im Alltag verdrängen, in Polen früher, in Deutschland unaufhaltsam. Wer verstehen will, wie der Zahlungsverkehr von morgen aussieht, sollte auf beide Seiten der Oder schauen.